Drohnen-Regeln Azoren: Zonen und Foto-Genehmigung

Auf den Azoren gilt EU-Recht, dazu kommt eine portugiesische Besonderheit: Luftaufnahmen brauchen eine eigene Genehmigung der AAN. Was das für die Reise bedeutet.

Recht & Wissen Veröffentlicht am 5 Min. Lesezeit

Die Azoren sehen aus wie für die Drohne gemacht: Kraterseen, Steilküsten, Teeplantagen, ein Vulkankegel mitten im Atlantik. Rechtlich sind sie EU, also vertrautes Terrain. Eine portugiesische Eigenheit hebelt diese Vertrautheit trotzdem aus, denn für Luftaufnahmen verlangt Portugal eine Genehmigung, die mit dem Flugrecht nichts zu tun hat.

Das Wichtigste in Kürze

  • Deine deutsche e-ID gilt, die Azoren sind EU-Gebiet unter der Verordnung 2019/947.
  • Luftaufnahmen brauchen eine eigene Genehmigung der AAN über aerialimages.aan.pt, kostenlos, Registrierung rund zwei Wochen.
  • Über Wasser und Strand entscheidet zusätzlich die Seebehörde AMN.
  • Fast jeder Krater ist Schutzgebiet, dort kommt die Zustimmung des ICNF dazu.
  • Haftpflicht ab 900 g Pflicht, gestaffelt nach Startmasse.
Regel-Karte Azoren: Deutsche e-ID gilt, Kompetenznachweis anerkannt, Luftaufnahmen brauchen eine eigene AAN-Genehmigung, über Wasser ist die AMN zuständig, Schutzgebiete verlangen die ICNF-Zustimmung, Haftpflicht ab 900 Gramm Pflicht.

Auf den Azoren ist die Fluggenehmigung nur die halbe Miete: Die Foto-Genehmigung läuft über eine eigene Behörde.

Warum EU-Recht hier nur der Anfang ist

Die Azoren sind eine autonome Region Portugals mit vollem EU-Status. Die EU-Drohnenverordnung 2019/947 gilt dort unverändert: Offene Kategorie mit den Unterkategorien A1, A2 und A3, 120 Meter Höhengrenze, Sichtflug, Mindestalter 16 Jahre. Deine Betreiberregistrierung aus Deutschland läuft mit, dein Kompetenznachweis ebenfalls. Bis hierher unterscheidet sich die Reise nicht von einem Flug nach Kroatien oder Griechenland.

Portugal hat daneben eine ältere nationale Ebene behalten, die viele Reisende überrascht. Die Anfertigung von Luftbildern und Luftvideos ist in Portugal genehmigungspflichtig, unabhängig davon, ob der Flug selbst zulässig ist. Diese Regel stammt aus dem Luftbildrecht, das neben der Drohnenverordnung fortbesteht, deshalb taucht sie in EU-weiten Übersichten oft gar nicht auf. Sie trifft jede Drohne mit Kamera, also praktisch jedes Gerät, mit dem jemand auf die Azoren reist.

Die Foto-Genehmigung der AAN

Zuständig ist die Autoridade Aeronáutica Nacional, die nationale Luftfahrtaufsicht mit militärischem Hintergrund. Sie betreibt dafür ein eigenes Portal unter aerialimages.aan.pt. Der Ablauf ist zweistufig: Zuerst legst du ein Nutzerkonto an und weist deine Identität nach, dann stellst du je Vorhaben einen Antrag mit Gebiet, Zeitraum und Zweck.

SchrittWoDauerKosten
Konto anlegen und verifizierenaerialimages.aan.ptrund 2 Wochenkeine
Antrag je Gebiet und Zeitraumdasselbe Portalmeist wenige Tagekeine
Zonenprüfunguas.anac.ptvor jedem Flugkeine
SchutzgebietICNFje nach Gebietje nach Gebiet

Die lange Wartezeit steckt in der Verifizierung des Kontos, der einzelne Antrag geht danach schnell durch. Wer zwei Wochen vor Abflug damit beginnt, hat die Genehmigung rechtzeitig. Wer erst am Urlaubsort daran denkt, hat sie in einer Zwei-Wochen-Reise mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr.

Wasser, Strand und die zweite Behörde

Sobald der Flug über die Küstenlinie hinausgeht, kommt die Autoridade Marítima Nacional ins Spiel. Sie verwaltet den Strandbereich und die Wasserfläche und entscheidet über ihre regionalen Kapitanate. Auf den Azoren betrifft das die halbe Motivliste, denn die Steilküsten, die Naturbecken von Biscoitos und die Hafenorte sind zentrale Motive.

Dazu kommt der Artenschutz. Die Gewässer um die Azoren sind eines der wichtigsten Walbeobachtungsgebiete Europas, Pott- und Blauwale ziehen dort durch. Die Annäherung an Meeressäuger aus der Luft gilt als Störung und ist eigenständig sanktioniert. Der Wunsch nach einer Wal-Aufnahme aus der Drohne führt damit sehr schnell in einen Verstoß, selbst wenn Flughöhe und Zone unauffällig sind. Wie andere Reiseziele diesen Fall regeln, zeigt der Überblick zu Drohnenaufnahmen von Walen.

Schutzgebiete: die dritte Ebene

Die Landschaft, die Reisende auf die Azoren zieht, steht fast durchgehend unter Schutz. Zuständig ist das Instituto da Conservação da Natureza e das Florestas, kurz ICNF. Betroffen sind unter anderem:

Für diese Gebiete ist die Genehmigungslage einzeln zu klären. Eine pauschale Freigabe gibt es nicht, und die Zuständigkeit liegt teils bei den regionalen Stellen der Azoren statt beim Festland. Die verbindliche Antwort kommt in diesen Fällen vom ICNF.

Die vier Flughäfen und ihre Zonen

Neun bewohnte Inseln, vier Verkehrsflughäfen: Ponta Delgada auf São Miguel, Lajes auf Terceira, Horta auf Faial und Santa Maria. Lajes ist zugleich Luftwaffenstützpunkt mit US-amerikanischer Mitnutzung, die Zone dort ist entsprechend streng. Rund um alle vier gelten Kontrollzonen, die auf kleinen Inseln schnell einen erheblichen Anteil der Landfläche abdecken.

Die verbindliche Darstellung liefert die ANAC-Karte unter uas.anac.pt. Sie zeigt die geografischen UAS-Gebiete mit Kontrollzonen, Schutzgebieten und Beschränkungen. Weil die Inseln weit auseinanderliegen, lohnt sich die Prüfung pro Insel: Was auf Faial gilt, sagt über São Jorge nichts aus. Zum grundsätzlichen Umgang mit solchen Karten hilft der Artikel zu Flugverbotszonen.

Versicherung und Ausrüstung

Ab 900 Gramm Startmasse verlangt Portugal eine Luftfahrt-Haftpflicht mit gestaffelten Mindestsummen. Für die typische Reisedrohne unter 250 Gramm greift die Pflicht nicht, eine Deckung ist trotzdem zu empfehlen, weil die deutsche Privathaftpflicht Drohnen regelmäßig ausschließt. Ob deine Police Portugal einschließt, klärt der Blick in die Drohnen-Versicherung im Ausland.

StartmasseHaftpflichtMindestsumme (Richtwert)
unter 900 gkeine Pflichtempfohlen
900 g bis 1,5 kgPflichtrund 320.000 €
1,5 bis 4 kgPflichtrund 470.000 €
4 bis 20 kgPflichtrund 690.000 €

Für den Weg dorthin gilt das Übliche: Akkus gehören ins Handgepäck, die Details stehen im Artikel zur Drohne im Flugzeug. Der Atlantik liefert das zweite praktische Thema, denn die Azoren sind windig und das Wetter kippt innerhalb einer Stunde. Wer die Kraterränder anfliegt, sollte die Böenwerte kennen und die Grenzen seines Modells beim Fliegen bei Wind realistisch einschätzen.

Was auf den Azoren realistisch möglich ist

Die Lage klingt nach vielen Hürden, sie ist aber planbar. Wer die Foto-Genehmigung rechtzeitig beantragt, außerhalb der Schutzgebiete und Kontrollzonen startet und die Küste meidet, findet auf allen Inseln Flächen, die keinen Sonderfall auslösen: Weideland im Inselinneren, Straßenaussichtspunkte außerhalb der Reservate, Ortsränder ohne Menschenansammlung.

Der Unterschied zu einem spontanen Flug etwa auf Teneriffa liegt im Vorlauf. Auf den Azoren entscheidet die Vorbereitung von zu Hause aus darüber, ob der Flug zulässig ist. Zwei Wochen Vorlauf reichen, null Vorlauf reicht nicht.

Fazit: zwei Genehmigungen, ein Zeitplan

Die Azoren sind ein planbares Drohnenland mit einem zusätzlichen Formular. Rechtlich gilt der vertraute EU-Rahmen mit deutscher e-ID und anerkanntem Kompetenznachweis. Darüber liegt die portugiesische Genehmigungspflicht für Luftaufnahmen, die eine eigene Behörde, ein eigenes Portal und einen eigenen Vorlauf hat.

Wer das zwei Wochen vor Abflug erledigt, fliegt auf den Azoren entspannt. Wer es übersieht, hat mit einer regulär registrierten Drohne und einem zulässigen Flug trotzdem einen Verstoß begangen, sobald die Kamera lief.

Häufige Fragen

Gilt meine deutsche Drohnen-Registrierung auf den Azoren?

Ja. Die Azoren sind eine autonome Region Portugals und damit Teil der EU, es gilt die Verordnung 2019/947. Deine beim Luftfahrt-Bundesamt vergebene e-ID ist dort gültig, eine zweite Registrierung bei der portugiesischen ANAC brauchst du nicht. Dasselbe gilt für den Kompetenznachweis A1/A3 und das Fernpilotenzeugnis A2.

Brauche ich auf den Azoren eine Genehmigung für Luftaufnahmen?

Ja, und das ist die wichtigste Abweichung vom übrigen EU-Alltag. Portugal behandelt die Anfertigung von Luftbildern als eigenen Vorgang neben dem Flug selbst. Zuständig ist die Autoridade Aeronáutica Nacional über das Portal aerialimages.aan.pt. Der Antrag ist kostenlos, die Registrierung im Portal dauert rund zwei Wochen, die Freigabe danach meist nur wenige Tage.

Darf ich über den Kraterseen der Azoren fliegen?

Meist nur mit zusätzlicher Zustimmung. Die Sete Cidades, die Lagoa do Fogo und die Caldeira auf Faial liegen in Schutzgebieten, für die das Instituto da Conservação da Natureza e das Florestas zuständig ist. Das Luftrecht allein gibt diese Flüge nicht frei, die Naturschutzebene kommt obendrauf.

Wie hoch darf ich auf den Azoren fliegen?

Es gelten die 120 Meter über Grund der Offenen Kategorie. Bei stark ansteigendem Gelände darf die Drohne dieser Kontur folgen, gemessen wird zum nächstgelegenen Punkt der Erdoberfläche. Auf den Azoren ist das praktisch relevant, weil die Kraterränder steil abfallen und der Höhenbezug sich dabei laufend ändert.

Brauche ich für die Azoren eine Drohnen-Haftpflicht?

Ab 900 Gramm Startmasse ist eine Haftpflichtversicherung in Portugal Pflicht, mit nach Gewicht gestaffelten Mindestsummen: rund 320.000 Euro bis 1,5 Kilogramm, rund 470.000 Euro bis 4 Kilogramm. Darunter ist sie nicht vorgeschrieben, aber sinnvoll. Prüfe vor der Reise, ob deine deutsche Police Portugal einschließt.

Welche Karte zeigt die Sperrzonen der Azoren?

Die ANAC führt eine offizielle Karte der geografischen UAS-Gebiete unter uas.anac.pt. Dort sind Kontrollzonen, Schutzgebiete und Beschränkungen hinterlegt. Weil die Azoren neun Inseln mit vier Verkehrsflughäfen sind, lohnt der Blick pro Insel statt einmal für die Region.

Darf ich am Strand oder über dem Meer fliegen?

Dafür ist zusätzlich die Seebehörde Autoridade Marítima Nacional zuständig, die über ihre regionalen Stellen entscheidet. Der Küstenstreifen und die Wasserfläche fallen in ihren Bereich. Wer Wale oder Delfine filmen möchte, stößt zusätzlich auf das Naturschutzrecht: Die Meeressäuger der Azoren sind geschützt, Annäherung aus der Luft gilt als Störung.

Was passiert bei einem Verstoß?

Portugal ahndet Verstöße gegen die Drohnenregeln als Ordnungswidrigkeit mit Bußgeldern, die bei gewerblichem Hintergrund deutlich höher ausfallen als bei privatem. Fliegen ohne die nötige Foto-Genehmigung zählt dabei als eigener Verstoß neben einem etwaigen Zonenverstoß. In Schutzgebieten kommt das Naturschutzrecht mit eigenem Rahmen hinzu.

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