Ist eine Drohne ein Luftfahrzeug? Das sagt das Gesetz

Ja, jede Drohne ist rechtlich ein Luftfahrzeug. Was § 1 LuftVG sagt und welche Folgen das für Haftung, Versicherung und Strafrecht hat.

Recht & Wissen Veröffentlicht am 6 Min. Lesezeit

Die Frage klingt nach Wortklauberei, und sie entscheidet trotzdem über mehr als jede andere Vorschrift im Drohnenrecht. Aus der Einordnung als Luftfahrzeug folgt eine Haftung, die auch ohne jeden Fehler greift, eine Versicherungspflicht ohne Gewichtsgrenze und die Anwendbarkeit des Luftrechts selbst über dem eigenen Garten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ja, jede Drohne ist ein Luftfahrzeug, geregelt in § 1 Abs. 2 des Luftverkehrsgesetzes.
  • Zwei Wege führen dorthin: als Flugmodell (Nr. 9) oder als unbemanntes Luftfahrtsystem (Satz 3). Die Rechtsfolgen sind dieselben.
  • Keine Gewichtsuntergrenze: auch die 249-Gramm-Drohne ist erfasst.
  • Wichtigste Folge ist die Gefährdungshaftung nach § 33 LuftVG, die ohne Verschulden greift.
  • Daraus folgt die Versicherungspflicht nach § 43 LuftVG, für jede Drohne ohne Ausnahme.

Was das Gesetz tatsächlich sagt

Der maßgebliche Satz steht in § 1 Absatz 2 des Luftverkehrsgesetzes. Dort listet der Gesetzgeber auf, was als Luftfahrzeug gilt, und die Aufzählung enthält unter Nummer 9 die Flugmodelle. Direkt im Anschluss folgt ein eigener Satz, der die andere Gruppe erfasst: Danach gelten „ebenfalls als Luftfahrzeuge unbemannte Fluggeräte einschließlich ihrer Kontrollstation, die nicht zu Zwecken des Sports oder der Freizeitgestaltung betrieben werden (unbemannte Luftfahrtsysteme)”.

Damit ergeben sich zwei Wege, die an derselben Stelle enden:

Ein dritter Fall existiert nicht. Es gibt keine Kategorie „Spielzeug” und keine Bagatellgrenze, unterhalb derer das Luftrecht nicht gilt. Die Unterscheidung entscheidet allein über den Begriff, den das Gesetz verwendet, und nicht darüber, ob die Vorschriften greifen.

Ablaufschema der rechtlichen Einordnung einer Drohne nach Paragraf 1 Absatz 2 des Luftverkehrsgesetzes. Ausgangspunkt ist jede Drohne, unabhängig vom Gewicht. Von dort führen zwei Pfade nach unten: Wird das Gerät zu Zwecken des Sports oder der Freizeit betrieben, gilt es als Flugmodell nach Nummer 9. Wird es zu anderen Zwecken betrieben, gilt es als unbemanntes Luftfahrtsystem nach dem Anschlusssatz. Beide Pfade münden in dasselbe Ergebnis: Es handelt sich um ein Luftfahrzeug. Aus diesem Ergebnis führen vier Pfeile zu den Rechtsfolgen. Erstens die Gefährdungshaftung nach Paragraf 33 des Luftverkehrsgesetzes, die den Halter ohne Verschulden trifft. Zweitens die Versicherungspflicht nach Paragraf 43, ohne Gewichtsgrenze. Drittens die Geltung der Luftverkehrs-Ordnung mit Höhenbegrenzung, Sichtkontakt und geografischen Gebieten, auch über dem eigenen Grundstück. Viertens das Strafrecht mit dem gefährlichen Eingriff in den Luftverkehr nach Paragraf 315 des Strafgesetzbuchs. Kernaussage: Der Zweck bestimmt nur den Begriff, die Rechtsfolgen sind auf beiden Wegen identisch.

Beide Wege enden beim Luftfahrzeug. Der Verwendungszweck ändert den Begriff, nicht die Rechtsfolgen.

Warum der Wortlaut altmodisch klingt

Die Formulierung stammt aus einer Zeit, in der das deutsche Recht Flugmodelle und unbemannte Luftfahrtsysteme scharf getrennt hat. Diese Trennung hatte einmal echte Folgen: Für gewerbliche Flüge galten andere Erlaubnisse als für den Modellflug im Verein.

Mit der EU-Drohnenverordnung ist dieser Ansatz überholt. Sie sortiert Flüge ausschließlich nach dem Risiko, das von ihnen ausgeht, und fragt nicht mehr nach dem Zweck. Eine bezahlte Immobilienaufnahme mit einer 900-Gramm-Drohne läuft heute in derselben Unterkategorie wie derselbe Flug aus Freude an der Aussicht. Wie dieses System aufgebaut ist, erklärt der Ratgeber EU-Drohnenverordnung.

Der alte Wortlaut im Luftverkehrsgesetz steht trotzdem weiter da. Er richtet heute nur noch die Begriffe zu und hat für die Frage, welche Pflichten dich treffen, keine Bedeutung mehr. Was der Zweck dagegen weiterhin beeinflusst, ist der Versicherungsschutz: Private Policen decken keine bezahlten Flüge, wie der Ratgeber Drohne gewerblich nutzen zeigt.

Folge 1: Gefährdungshaftung ohne Verschulden

Die schwerwiegendste Konsequenz steht in § 33 des Luftverkehrsgesetzes. Wird beim Betrieb eines Luftfahrzeugs ein Mensch getötet oder verletzt oder eine Sache beschädigt, haftet der Halter für den entstandenen Schaden. Ein Verschulden ist nicht erforderlich.

Der Unterschied zum Alltagsrecht ist erheblich. Wer im Straßenverkehr oder im Haushalt einen Schaden verursacht, haftet grundsätzlich nur bei Vorsatz oder Fahrlässigkeit. Bei Luftfahrzeugen genügt der Betrieb. Drei Beispiele zeigen, was das bedeutet:

Die Haftung trifft den Halter, also die Person, die das Gerät für eigene Rechnung nutzt und über seinen Einsatz bestimmt. Wer die Drohne eines Freundes fliegt, ist damit nicht automatisch aus dem Schneider: Neben der Halterhaftung steht die allgemeine Verschuldenshaftung des Bürgerlichen Gesetzbuchs, die den Piloten persönlich trifft.

Der Höhe nach ist die Gefährdungshaftung begrenzt. § 37 des Luftverkehrsgesetzes staffelt die Höchstbeträge nach der Höchstabflugmasse, für Geräte bis 500 Kilogramm gilt ein Betrag von 750.000 Sonderziehungsrechten, was etwa 900.000 Euro entspricht. Diese Deckelung greift allerdings nur für die verschuldensunabhängige Haftung. Kommt ein eigener Fehler hinzu, haftest du daneben nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch, und dort existiert keine Obergrenze.

Folge 2: Versicherungspflicht ohne Gewichtsgrenze

Aus der Gefährdungshaftung folgt unmittelbar die zweite Konsequenz. § 43 des Luftverkehrsgesetzes verlangt für jedes unbemannte Luftfahrtsystem eine Haftpflichtversicherung. Eine Untergrenze nach Gewicht gibt es nicht.

Damit erklärt sich eine Konstellation, die viele Einsteiger überrascht: Eine 249-Gramm-Kameradrohne braucht keinen Kompetenznachweis, aber sehr wohl eine Versicherung. Die beiden Pflichten stammen aus verschiedenen Regelwerken und folgen verschiedenen Logiken.

PflichtQuelleKnüpft an
KompetenznachweisEU-DrohnenverordnungGewicht und Klasse der Drohne
RegistrierungEU-DrohnenverordnungGewicht oder Sensor
Haftpflichtversicherung§ 43 LuftVGjedes Luftfahrzeug, ohne Grenze

Was eine Police leisten muss und wann die Privathaftpflicht ausreicht, behandelt der Ratgeber Drohnen-Haftpflichtversicherung. Für Reisen kommt der Geltungsbereich hinzu, siehe Drohnenversicherung im Ausland.

Folge 3: Luftrecht gilt auch über dem eigenen Garten

Die dritte Konsequenz beendet einen hartnäckigen Irrtum. Weil die Drohne ein Luftfahrzeug ist, gilt die Luftverkehrs-Ordnung überall, wo sie fliegt, und damit auch über dem eigenen Grundstück.

Konkret bleiben bestehen:

Das Eigentum am Grundstück ändert daran nichts. Nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch reicht es nach oben nur so weit, wie ein Interesse an der Ausschließung besteht, und es begründet ohnehin keine Ausnahme vom Luftrecht. Was das umgekehrt für fremde Drohnen über dem eigenen Garten bedeutet, steht im Ratgeber Drohne über Privatgrundstück.

Folge 4: Straf- und Ordnungswidrigkeitenrecht

Die vierte Ebene betrifft die Fälle, in denen ein Flug über die Zivilhaftung hinausgeht. Weil die Drohne am Luftverkehr teilnimmt, greifen die Straftatbestände, die diesen Verkehr schützen.

§ 315 des Strafgesetzbuchs stellt den gefährlichen Eingriff in den Luftverkehr unter Strafe. Der Tatbestand verlangt keine Kollision, eine konkrete Gefährdung genügt. Praktisch relevant wird er in zwei Konstellationen: bei Flügen in den An- und Abflugbereichen von Flughäfen und bei der Behinderung von Rettungshubschraubern an Einsatzstellen.

Darunter liegt das Ordnungswidrigkeitenrecht des Luftverkehrsgesetzes, das Verstöße gegen Betriebsregeln erfasst. Welche Beträge dabei zusammenkommen, zeigt der Ratgeber Drohne ohne Führerschein: Strafe.

Was aus der Einordnung nicht folgt

Damit die Einordnung nicht überdehnt wird, hier die Gegenprobe. Aus dem Status als Luftfahrzeug folgt ausdrücklich nicht:

Die Einordnung wirkt also vor allem im Haftungs- und Versicherungsrecht sowie über die Anwendbarkeit der Luftverkehrs-Ordnung, während der Zugang zum Fliegen selbst bewusst niedrigschwellig geblieben ist.

Fazit: ein Satz im Gesetz, vier Konsequenzen im Alltag

Die Antwort auf die Ausgangsfrage ist eindeutig: Jede Drohne ist ein Luftfahrzeug, ob sie 40 Gramm oder 20 Kilogramm wiegt und ob sie zum Vergnügen oder gegen Rechnung fliegt. Das Luftverkehrsgesetz erreicht dieses Ergebnis über zwei Wege, die sich nur im Begriff unterscheiden.

Praktisch zählt daran vor allem eines: Du haftest für Schäden, auch wenn dich keinerlei Schuld trifft. Diese Gefährdungshaftung ist der Grund für die Versicherungspflicht ohne Gewichtsgrenze und das stärkste Argument gegen den Gedanken, eine kleine Drohne sei ein harmloses Spielzeug. Wer eine passende Police hat, die Zonen prüft und die Höhe im Blick behält, hat die vier Konsequenzen dieser Einordnung im Griff.

Häufige Fragen

Ist eine Drohne rechtlich ein Luftfahrzeug?

Ja, ausnahmslos. § 1 Absatz 2 des Luftverkehrsgesetzes führt Flugmodelle als Nummer 9 in der Liste der Luftfahrzeuge auf. Der anschließende Satz stellt unbemannte Fluggeräte samt Kontrollstation, die nicht dem Sport oder der Freizeit dienen, ausdrücklich gleich. Damit ist jede Drohne über einen der beiden Wege erfasst, unabhängig von Gewicht, Preis und Verwendungszweck.

Gilt das auch für eine 249-Gramm-Drohne?

Ja. Das Luftverkehrsgesetz kennt keine Gewichtsuntergrenze für die Einordnung als Luftfahrzeug. Die 250-Gramm-Marke stammt aus der EU-Drohnenverordnung und entscheidet dort über Kompetenznachweis und Unterkategorie. Für Haftung und Versicherungspflicht spielt sie keine Rolle: Eine Mini-Drohne unterliegt derselben Gefährdungshaftung wie ein Zehn-Kilo-System.

Was bedeutet Gefährdungshaftung bei Drohnen?

Du haftest für Schäden, auch wenn dich kein Verschulden trifft. § 33 des Luftverkehrsgesetzes knüpft die Haftung allein an den Betrieb des Luftfahrzeugs. Stürzt deine Drohne wegen eines Materialfehlers ab und beschädigt ein Auto, haftest du, obwohl du alles richtig gemacht hast. Das ist eine der strengsten Haftungsformen des deutschen Rechts und der eigentliche Grund für die Versicherungspflicht.

Wer haftet: der Pilot oder der Eigentümer?

Die Gefährdungshaftung des § 33 LuftVG trifft den Halter, also die Person, die das Fluggerät für eigene Rechnung nutzt und über seinen Einsatz bestimmt. Meist ist das der Eigentümer. Wer eine geliehene Drohne fliegt und dabei schuldhaft einen Schaden verursacht, haftet zusätzlich nach den allgemeinen Regeln des Bürgerlichen Gesetzbuchs. Aus der Kombination entsteht die Deckungslücke, die viele Policen bei Leihgeräten haben.

Spielt es eine Rolle, ob ich privat oder gewerblich fliege?

Für die Betriebsregeln nicht mehr. Die EU-Drohnenverordnung sortiert allein nach Risiko, weshalb ein bezahlter Flug denselben Regeln folgt wie derselbe Flug zum Vergnügen. Im Wortlaut des Luftverkehrsgesetzes trennt der Zweck noch die Begriffe Flugmodell und unbemanntes Luftfahrtsystem. An den Rechtsfolgen ändert diese Zuordnung nichts, beide sind Luftfahrzeuge mit denselben Haftungs- und Versicherungspflichten.

Ist die Haftung der Höhe nach begrenzt?

Die Gefährdungshaftung ist gedeckelt. § 37 des Luftverkehrsgesetzes staffelt die Höchstbeträge nach der Höchstabflugmasse; für Luftfahrzeuge bis 500 Kilogramm liegt der Betrag bei 750.000 Sonderziehungsrechten, also rund 900.000 Euro. Diese Grenze gilt allerdings nur für die verschuldensunabhängige Haftung. Kommt ein Verschulden hinzu, haftest du daneben nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch, und dort gibt es keine Obergrenze.

Darf ich über meinem eigenen Grundstück fliegen, was ich will?

Nein. Weil die Drohne ein Luftfahrzeug ist, gilt das Luftrecht auch über dem eigenen Garten. Höhenbegrenzung, Sichtkontakt, Registrierung, Kennzeichnung und Versicherungspflicht bleiben bestehen, ebenso die geografischen Gebiete. Das Eigentum am Grundstück reicht nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch nur so weit, wie ein Interesse an der Ausschließung besteht, und deckt keine luftrechtliche Ausnahme ab.

Kann ein Drohnenflug strafbar sein?

Ja. Wer die Sicherheit des Luftverkehrs beeinträchtigt, kann sich nach § 315 des Strafgesetzbuchs wegen gefährlichen Eingriffs in den Luftverkehr strafbar machen. Der Tatbestand setzt keine Kollision voraus, eine konkrete Gefährdung genügt. Praktisch relevant wird er bei Flügen in Anflugbereichen von Flughäfen und bei Behinderung von Rettungshubschraubern.

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