Kitzrettung mit Drohne: welcher Drohnenführerschein nötig ist

Wärmebilddrohnen zur Rehkitzrettung wiegen über 900 g. Welcher Nachweis dafür reicht, warum das C2-Label über die Wiesen entscheidet und was Jagdrecht und Förderung verlangen.

Recht & Wissen Veröffentlicht am 7 Min. Lesezeit

Im Mai und Juni liegen Rehkitze bewegungslos im hohen Gras und verlassen sich auf ihre Tarnung. Kommt der Mähbalken, wird genau dieses Verhalten zum Problem. Eine Drohne mit Wärmebildkamera findet die Tiere in wenigen Minuten, und genau an diesem Punkt stellt sich die Frage, welchen Nachweis der Pilot dafür braucht. Dieser Artikel klärt sie und zeigt, warum das Klassenlabel der Drohne über die Wiesen entscheidet.

Das Wichtigste in Kürze

  • Mindestens der Kompetenznachweis A1/A3 ist Pflicht, weil jede Wärmebilddrohne über 250 Gramm wiegt.
  • Damit fliegst du in A3: 150 Meter Abstand zu Wohn-, Gewerbe-, Industrie- und Erholungsgebieten.
  • Siedlungsnahe Wiesen brauchen eine C2-Drohne plus Fernpilotenzeugnis A2, dann sinkt der Abstand auf 30 Meter.
  • Ohne Zustimmung des Jagdausübungsberechtigten ist die Suche unzulässig, unabhängig von Nachweis und Registrierung.
  • Zeitfenster: etwa 4 bis 8 Uhr morgens, danach verschwindet die Wärmesignatur im aufgeheizten Untergrund.

Warum bei der Kitzrettung nie C0 in Frage kommt

Die 250-Gramm-Grenze, die im Hobbybereich so viel Papierkram spart, spielt hier keine Rolle. Eine brauchbare Suchdrohne trägt zwei Kameras, einen Wärmebildsensor und einen Akku für mindestens 20 Minuten Flugzeit. Diese Kombination lässt sich unter 250 Gramm nicht unterbringen, und selbst unter 900 Gramm wird es eng.

Damit ist der EU-Kompetenznachweis A1/A3 in jedem Fall Pflicht. Er kostet 25 Euro Verwaltungsgebühr beim Luftfahrt-Bundesamt, das Lernmaterial und der Test sind kostenlos, der Ablauf steht im Ratgeber kleiner Drohnenführerschein.

Dazu kommen zwei Pflichten, die unabhängig vom Nachweis gelten:

Der entscheidende Punkt: A3 oder A2

Matrix: welcher Kompetenznachweis für welche Wärmebilddrohne in der Rehkitzrettung gilt und welcher Abstand daraus folgt. Eine Drohne mit C2-Label unter 4 Kilogramm erlaubt zusammen mit dem Fernpilotenzeugnis A2 den Betrieb in der Unterkategorie A2 mit 30 Metern Abstand zu unbeteiligten Personen. Dieselbe C2-Drohne mit nur dem Kompetenznachweis A1 und A3 fällt in die Unterkategorie A3 mit 150 Metern Abstand zu Wohngebieten. Eine Bestandsdrohne ab 250 Gramm ohne Klassenlabel fällt mit dem Kompetenznachweis A1 und A3 ebenfalls in A3 mit 150 Metern Abstand. Zusätzlich gilt in jeder Zeile: Zustimmung des Jagdausübungsberechtigten, Registrierung beim Luftfahrt-Bundesamt und eine Haftpflicht mit Einschluss der Suche.

Erst die Kombination aus C2-Label und A2-Zeugnis macht Wiesen am Ortsrand befliegbar.

Mit dem Kompetenznachweis A1/A3 fliegst du in der Unterkategorie A3. Dort gilt ein Mindestabstand von 150 Metern zu Wohn-, Gewerbe-, Industrie- und Erholungsgebieten. Auf einer Wiese mitten im Feld ist das kein Thema. Auf der Wiese hinter dem letzten Hof eines Dorfes schon.

Die Unterkategorie A2 senkt diesen Abstand auf 30 Meter zu unbeteiligten Personen und erlaubt den Betrieb in Ortsnähe. Sie verlangt zwei Dinge gleichzeitig:

  1. eine Drohne mit C2-Label (900 Gramm bis 4 Kilogramm, zertifiziert nach der EU-Verordnung 2019/945),
  2. das EU-Fernpilotenzeugnis A2 mit Prüfung bei einer anerkannten Stelle.

Fehlt eines von beidem, bleibt es bei A3. Das ist der Punkt, an dem viele Kitzrettungsteams hängen: Sie haben ein gutes Gerät, aber ohne Zertifizierung, oder ein zertifiziertes Gerät, aber nur den kleinen Nachweis. Was das A2-Zeugnis verlangt und kostet, steht im Ratgeber EU-Fernpilotenzeugnis A2.

Bestandsdrohnen: der 1. Januar 2024 als Zäsur

Seit dem Ende der Übergangsfrist am 1. Januar 2024 dürfen Drohnen ab 250 Gramm ohne Klassenlabel ausschließlich in A3 betrieben werden. Für Kitzrettungsteams war das ein spürbarer Einschnitt, weil ein großer Teil der eingesetzten Wärmebilddrohnen aus der Zeit davor stammt.

Es gibt zwei Wege aus der Beschränkung:

Nachträgliche Zertifizierung. Einige Hersteller haben die Konformitätsbewertung für bereits verkaufte Modelle nachgeholt und das Label per Firmware-Update oder Aufkleber freigeschaltet. Ein Blick auf die Herstellerseite und in die App-Einstellungen klärt, ob dein Gerät dazugehört.

Neuanschaffung mit Label. Wer ohnehin ersetzt, achtet auf ein werkseitig vergebenes C2-Label. Die Fördervorgaben verlangen es inzwischen ohnehin.

Verstöße gegen die EU-Drohnenverordnung können mit einem Bußgeld von bis zu 50.000 Euro geahndet werden. In der Kitzrettung ist der klassische Fall der Flug einer nicht zertifizierten Bestandsdrohne auf einer Wiese, die keine 150 Meter vom Ortsrand entfernt liegt. Die Systematik der Klassen steht im Ratgeber Drohnenklassen C0 bis C4.

Das Jagdrecht: ohne Zustimmung geht nichts

Die luftrechtliche Seite ist nur die halbe Miete. Die Kitzsuche findet in einem Jagdbezirk statt und berührt damit das Jagdausübungsrecht. Die Suche setzt die Zustimmung des Jagdausübungsberechtigten voraus, also des Jagdpächters oder des Eigenjagdbesitzers.

In der Praxis ist das selten ein Hindernis, weil die Interessen zusammenfallen: Der Landwirt will die Wiese ohne Kadaver mähen, der Jagdpächter will seinen Wildbestand schützen, das Team will helfen. Der übliche Ablauf sieht so aus:

  1. Der Landwirt meldet die Mahd einige Tage vorher an, idealerweise mit Flurstück und geplantem Termin.
  2. Der Jagdpächter wird informiert und gibt seine Zustimmung, oft ist er ohnehin Teil des Teams.
  3. Das Team stimmt den Termin ab: Suche am Morgen, Mahd direkt im Anschluss, damit die Fläche nicht erneut angenommen wird.
  4. Gefundene Kitze werden markiert und mit Grasbüscheln oder Handschuhen aus der Fläche getragen, um menschlichen Geruch zu vermeiden.

Ein sauber dokumentierter Ablauf hilft doppelt: Er schützt vor Missverständnissen im Revier und belegt gegenüber dem Landwirt, dass die Fläche abgesucht wurde.

Das Zeitfenster: warum die Suche früh stattfindet

Die Wärmebildkamera erkennt Temperaturunterschiede. Ein Rehkitz hat rund 38 Grad Körpertemperatur, das umgebende Gras hat vor Sonnenaufgang die Nachttemperatur. Dieser Kontrast macht das Tier auf dem Sensor zu einem klaren Punkt.

Mit steigender Sonne kehrt sich die Lage um:

TageszeitBedingungErkennbarkeit
ca. 4 bis 6 UhrBoden kalt, Tau auf dem Grassehr gut
ca. 6 bis 8 UhrSonne noch flachgut
ab ca. 9 UhrBoden und Halme heizen aufeingeschränkt
MittagUntergrund wärmer als das Tierkaum brauchbar

Daraus folgt ein enges Zeitfenster von zwei bis vier Stunden, in dem ein Team so viele Flächen wie möglich abarbeitet. Wer die Flugzeit seiner Drohne kennt und genug geladene Akkus mitbringt, schafft in dieser Zeit deutlich mehr Hektar. Wie realistisch die Datenblattangaben sind, steht im Ratgeber Drohnen-Flugzeit.

Ein zweiter Grund für die frühe Stunde: Nach der Suche soll direkt gemäht werden. Vergeht ein halber Tag, kann die Ricke ihr Kitz erneut in der Fläche ablegen und die Suche war umsonst.

Die Förderung: Rahmen, Summen, Fristen

Der Bund fördert die Anschaffung von Wärmebilddrohnen über das Bundesförderprogramm für Drohnen mit Wärmebildkamerasystem zur Rehkitzrettung, umgesetzt von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung.

MerkmalFörderjahr 2026
Gesamtvolumen2,1 Millionen Euro
Zuschuss je Drohnemaximal 3.000 Euro
AntragsberechtigtJagdverbände als eingetragener Verein
Antragsschluss30. Juni 2026
Verwendungsnachweis30. September 2026
Auszahlung spätestens31. Dezember 2026

Die technischen Mindestanforderungen an das geförderte Gerät:

Der letzte Punkt ist der Grund, warum sich die Frage nach dem Label nicht umgehen lässt: Ein Bestandsgerät ohne Klassenkennzeichnung fällt aus der Förderung heraus, selbst wenn seine Kamera hervorragend arbeitet.

Für Einzelpersonen ist das Programm nicht offen. Wer als privater Drohnenpilot helfen will, schließt sich üblicherweise einem Kitzrettungsteam oder der örtlichen Jägerschaft an und fliegt dort mit dem Gerät des Vereins.

Versicherung: der Punkt, der gern übersehen wird

Eine Drohnen-Haftpflicht ist in Deutschland ab dem ersten Gramm vorgeschrieben. Für die Kitzrettung reicht die Standard-Police für den Hobbyflug allerdings oft nicht.

Der Grund liegt in der Zweckbestimmung. Viele Verträge decken den privaten Freizeitflug ab und nehmen Einsätze zugunsten Dritter aus. Die Suche auf der Wiese eines Landwirts zählt dazu, auch wenn kein Geld fließt. Drei Punkte gehören deshalb vor dem ersten Einsatz geklärt:

  1. Deckung für Einsätze zu fremdem Nutzen, unentgeltlich oder gegen Aufwandsentschädigung.
  2. Deckungssumme passend zum Umfeld: Landmaschinen, Fahrzeuge und Gebäude am Feldrand summieren sich schnell.
  3. Mehrere Piloten, falls das Gerät im Verein von wechselnden Personen geflogen wird.

Was eine Police allgemein leisten muss, steht im Ratgeber Drohnen-Haftpflichtversicherung, den Unterschied zur Kasko erklärt der Ratgeber Drohnen-Kaskoversicherung.

Praktische Vorbereitung auf den ersten Einsatz

Neben Nachweis, Registrierung und Absprache entscheidet die Routine über den Erfolg eines Morgens. Fünf Punkte, die sich in der Vorbereitung auszahlen:

Fläche vorher ansehen. Hochspannungsleitungen, Hochsitze und Einzelbäume sind im Dämmerlicht schwer zu erkennen. Ein Blick auf die Karte am Vorabend spart Schrecksekunden.

Zonen prüfen. Auch Wiesen liegen manchmal in Flugbeschränkungsgebieten, etwa nahe einem Segelfluggelände. Verbindlich ist die Dipul-Karte.

Suchmuster festlegen. Bahnen mit gleichmäßigem Abstand, quer zur späteren Mährichtung, mit Überlappung. Freihändiges Umherfliegen übersieht Flächen.

Akkus vorwärmen. Kalte Zellen liefern weniger Leistung, und Morgentemperaturen um 5 Grad kosten spürbar Flugzeit. Was Kälte mit dem Akku macht, steht im Ratgeber Drohne im Winter fliegen.

Bergeteam bereithalten. Die Drohne findet, Menschen tragen. Zwei Helfer mit Wäschekorb und Handschuhen halten den Ablauf flüssig, während der Pilot weiterfliegt.

Fazit: der Nachweis ist die kleinere Hürde

Der Kompetenznachweis A1/A3 kostet 25 Euro und einen Abend, damit ist die Grundvoraussetzung erfüllt. Die eigentliche Weiche stellt das Klassenlabel der Drohne: Ohne C2 und A2-Zeugnis bleiben Wiesen in Ortsnähe gesperrt, und das betrifft in vielen Regionen einen erheblichen Teil der Flächen.

Wer neu einsteigt, klärt deshalb zuerst zwei Fragen: Welche Flächen soll das Team abdecken, und liegen sie 150 Meter von der nächsten Bebauung entfernt? Fällt die Antwort auf die zweite Frage nein aus, gehören C2-Gerät und A2-Zeugnis von Anfang an in die Planung. Alles Weitere, Absprache mit dem Revier, frühes Aufstehen und ein verlässliches Suchmuster, ist eine Frage der Organisation.

Häufige Fragen

Welchen Drohnenführerschein brauche ich für die Kitzrettung?

Mindestens den EU-Kompetenznachweis A1/A3, weil praktisch jede Wärmebilddrohne deutlich über 250 Gramm wiegt. Damit fliegst du in der Unterkategorie A3 mit 150 Metern Abstand zu Wohngebieten. Willst du siedlungsnahe Wiesen abfliegen, brauchst du zusätzlich das EU-Fernpilotenzeugnis A2 und eine Drohne mit C2-Label.

Reicht der kleine Drohnenführerschein für die Rehkitzsuche?

Rechtlich ja, praktisch oft nicht. Der Kompetenznachweis A1/A3 erlaubt den Betrieb in A3, und dort gilt ein Mindestabstand von 150 Metern zu Wohn-, Gewerbe-, Industrie- und Erholungsgebieten. Viele Wiesen liegen näher an Ortsrändern. Für diese Flächen führt kein Weg an der Kombination aus C2-Drohne und A2-Zeugnis vorbei.

Darf ich ohne Zustimmung des Jägers Kitze suchen?

Nein. Die Rehkitzsuche greift in das Jagdausübungsrecht ein und setzt die Zustimmung des Jagdausübungsberechtigten voraus. Ohne diese Absprache riskierst du rechtliche Konsequenzen, unabhängig davon, ob deine Drohne korrekt registriert und dein Nachweis gültig ist. In der Praxis läuft die Suche ohnehin im Team aus Landwirt, Jagdpächter und Drohnenpilot.

Welche Klasse hat eine typische Wärmebilddrohne?

Meist C2, also 900 Gramm bis 4 Kilogramm Startmasse. Die Kombination aus Wärmebildsensor, Realbildkamera und ausreichender Flugzeit lässt sich unter 900 Gramm schwer unterbringen. Seit dem 1. Januar 2024 dürfen Drohnen ab 250 Gramm ohne Klassenlabel nur noch in A3 fliegen, was ältere Geräte auf die 150-Meter-Regel festlegt.

Wann ist die beste Zeit für die Kitzsuche mit der Drohne?

In den frühen Morgenstunden zwischen etwa 4 und 8 Uhr, vor Sonnenaufgang bis kurz danach. Dann ist der Temperaturunterschied zwischen dem Kitz und der Umgebung am größten, und die Wärmebildkamera erkennt das Tier zuverlässig. Später am Tag heizen sich Boden und Pflanzen auf, die Signatur verschwindet im Hintergrundrauschen.

Wird die Anschaffung einer Wärmebilddrohne gefördert?

Ja, über das Bundesförderprogramm für Drohnen mit Wärmebildkamerasystem zur Rehkitzrettung, umgesetzt von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung. Für das Förderjahr 2026 standen 2,1 Millionen Euro bereit, je Drohne maximal 3.000 Euro. Antragsberechtigt sind Jagdverbände in der Rechtsform des eingetragenen Vereins, die Frist lief am 30. Juni 2026 ab.

Welche technischen Anforderungen stellt die Förderung an die Drohne?

Nach den Vorgaben der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung muss die Drohne eine Realbildkamera mit integrierter oder kompatibler Wärmebildkamera besitzen, eine Mindestflugzeit von 20 Minuten erreichen und eine CE-Klassenkennzeichnung nach der EU-Drohnenverordnung nachweisen. Damit fallen Bestandsgeräte ohne Klassenlabel aus der Förderung heraus.

Was kostet ein Verstoß gegen die Drohnenregeln bei der Kitzrettung?

Verstöße gegen die EU-Drohnenverordnung können mit einem Bußgeld von bis zu 50.000 Euro geahndet werden. Der häufigste Fall in der Kitzrettung ist der Betrieb einer nicht zertifizierten Bestandsdrohne näher als 150 Meter an einem Wohngebiet, weil die Wiese am Ortsrand liegt.

Deckt meine Drohnen-Haftpflicht die Kitzrettung ab?

Nur, wenn der Vertrag das ausdrücklich einschließt. Viele Policen für den privaten Hobbyflug greifen bei Einsätzen zu fremdem Nutzen nicht, und die Kitzsuche für einen Landwirt zählt dazu, auch wenn sie unentgeltlich stattfindet. Vor dem ersten Einsatz lohnt der Blick in die Bedingungen und im Zweifel die schriftliche Nachfrage beim Versicherer.

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